Die Geschichte des Land Rover reicht bis ins Jahr 1947 zurück. England befindet sich im Wiederaufbau, und auch beim englischen Traditionsunternehmen Rover versucht man, die Automobilproduktion wieder anzukurbeln. Da die finanziellen Mittel knapp sind, sollen günstig zu produzierende Autos entwickelt und in die ganze Welt exportiert werden. Die Firma Rover hatte bisher vor allem Luxuswagen von hoher Qualität und hohem Prestige produziert – diese kann sich nach dem Krieg jedoch kaum noch jemand leisten.
Seit den frühen 30er Jahren führen die Brüder Spencer und Maurice Wilks erfolgreich die Geschicke des englischen Automobilherstellers. Sie sind es auch, die die zündende Idee für die Entstehung des Land Rover haben: Auf dem Landsitz der Wilks in Anglesey dient ein ausgemusterter Willys-Armee-Jeep als Gebrauchsfahrzeug. Als sich die Brüder darüber unterhalten, wodurch man das arg ramponierte Fahrzeug ersetzen soll, erkennen sie, dass auf dem Markt ein akuter Bedarf an Nutzfahrzeugen besteht. Es entsteht die Idee, ein Auto nach dem Vorbild des Jeep zu bauen: ein leichtes, robustes Nutzfahrzeug mit Allradantrieb, sowohl für die Bauern im eigenen Land als auch für den Exportmarkt. Wegen mangelnder Ressourcen muss das Auto so einfach wie möglich gebaut werden. Das Projekt Land Rover steht unter der Obhut von Chefingenieur Maurice Wilks. Dieser betraut Robert Boyle, Gordon Bashford und weitere altgediente Mitarbeiter mit der Entwicklung. Als Basis für die ersten Prototypen dienen zwei Jeeps aus Armeebeständen. Für das Chassis hat Betriebsleiter Olaf Poppe die geniale (und bis heute angewendete) Idee, diese als Leiterrahmen zu bauen und die einzelnen Teile jeweils aus vier Blechstreifen zusammenzuschweißen. Die Außenhaut besteht aus Aluminium; dies ist zwar teuerer als Blech, dafür aber rostfrei und in unbeschränkter Menge erhältlich.
Die aus der Aluminiumkarosserie resultierende Langlebigkeit wird schnell zum Image von Land Rover. Mehr als die Hälfte aller „Pre-Production“-Land Rover existiert noch heute. Im April 1948 wird der erste Land Rover auf der Amsterdam Motor Show präsentiert. Der Land Rover des Typs „Serie I“ wird bis 1958 produziert. Stark modifiziert kommt anschließend der Land Rover „Serie II“ auf den Markt und wird 1971 zum „Serie III“. Obwohl sie sich in den Details und technologisch unterscheiden, haben die „Serie“-Land Rover alle den typischen Look: viereckig, mit zurückgesetztem Kühlergrill und runden Lampen. Diese charakteristischen Grundzüge findet man auch heute noch im Land Rover Defender wieder. In Hamburg-Harburg in Deutschland wird der Land Rover in Lizenz produziert. Die Tempo GmbH fertigt von 1953 bis 1955 eine kleine Anzahl von Fahrzeugen in modifizierter Form für den Bundesgrenzschutz. Ab 1971 entwickelt und produziert Land Rover (damals zu British Leyland gehörend) das Luxusmodell Range Rover, ein mit Schraubenfedern ausgerüstetes, luxuriös ausgestattetes Geländefahrzeug mit permanentem Allradantrieb. Der Range Rover geht jedoch erst 1984, unter dem Druck der japanischen Konkurrenzmodelle Toyota Land Cruiser und NISSAN Patrol, mit der Bezeichnung Land Rover 110 in Serie. Der 110 unterscheidet sich optisch nur leicht von den „Serie“-Modellen und basiert auf einem technisch modifizierten Range Rover-Fahrwerk. 1985 erscheint der kürzere Land Rover 90, später der Land Rover 127 mit besonders langem Radstand. Der 1989 vorgestellte Land Rover Discovery attackiert die bestehende Vorherrschaft der japanischen Geländewagen. Um die klassischen Land-Rover-Modelle vom Range Rover und dem Discovery abzusetzen, wird die Baureihe in Defender umgetauft. Der 127 erhält offiziell die Bezeichnung Defender 130, obwohl der Radstand bis heute exakt 127 Zoll beträgt. Diese Entwicklungen bringen für Rover große Umwälzungen mit sich. Werden 1983 noch 90 Prozent aller Land Rover in Entwicklungsländer exportiert, so dreht sich die Situation im Jahre 1993 völlig um, und 90 Prozent aller Land Rover werden in der westlichen Welt verkauft. Mit der Lancierung der zweiten und dritten Generation Range Rover und Discovery und mit der Markteinführung des Freelander im Jahre 1997, der sich gleich bei der Einführung an die Spitze des Marktes setzt, hat Land Rover seine Position auf dem 4x4-Markt weltweit stärken können. Heute gehört Land Rover zur Ford-Gruppe, nachdem sich die Firma für kurze Zeit im Besitz von BMW befand.
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